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Warum der Pony Starter Kurs so wichtig ist…

Natürlich ist der Wunsch reiten zu wollen Anreiz und Motivation. Bilder, Bücher, Filme prägen die Vorstellung des Kindes vom Reiten.

Tatsächlich sind in der Realität – über die Fertigkeit des Reitens hinaus –  viele Dinge notwendig, um ein verantwortungsbewusster Reiter zu werden. Ein Pferd ist kein Spielzeug, sondern ein Lebewesen, das sich in unserer Obhut befindet und dessen Wohl wir vorrangig im Auge haben müssen. Sicherheit für Mensch und Tier hat in diesem Sport oberste Priorität und was das im Einzelnen bedeutet, muss verstanden und gelernt werden.

Mit dem Pony Starter Kurs werden die Grundlagen gelegt, um die Ponys in den Folgekursen für die Zeit der Vorbereitung, des Unterrichts und der abschließenden Pflege des Pferdes in die Hand der Kinder zu geben. Dazu müssen folgende Werte und Fähigkeiten entwickelt, sowie Regeln befolgt werden:

  • Verantwortungsgefühl, Einfühlungsvermögen und Umsicht

Jede Tätigkeit zur Pflege des Pferdes muss ausgeführt und immer wieder geübt werden, so dass es für die Kinder selbstverständlich wird, sie durchzuführen.

Wer meint, er kann darauf verzichten, die Trense sorgfältig abzuwaschen, weil es ja vielleicht niemand sieht oder das Kind es eilig hat, riskiert – wenn es der nächste Reiter nicht merkt – entzündete Mundwinkel durch die harten Krusten, die nach dem Reiten entstehen. Das Pferd hat dann Schmerzen und kann bis zum Abheilen der Mundwinkel nicht eingesetzt werden.

Wenn nach einem tollen Waldspaziergang mit dem Pferd die Zeit knapp ist und die Hufe nicht mehr kontrolliert werden, kann der im Huf vielleicht eingeklemmte Stein dafür sorgen, dass ein Hufgeschwür entsteht. Die Folgen sind offensichtlich: Das Pferd geht lahm, leidet Schmerzen, Tierarzt oder Hufschmied müssen eingreifen.

Pferde sind soziale Tiere, jedoch nicht Jeder verträgt sich mit Jedem. Es ist eine Frage der Umsicht, wenn die Tiere nebeneinander angebunden sind, nicht einfach wegzulaufen, um irgendetwas zu holen. Stattdessen bittet man Jemanden, kurz aufzupassen, damit keine Keilerei entsteht oder legt sich alle Sachen im Vorfeld zurecht.

Dies sind nur einige Beispiele aus einer Vielzahl von Möglichkeiten. Es gibt viel zu lernen und gerade die Kleinen benötigen natürlich viele Wiederholungen, damit eine souveräne Routine entsteht. Später müssen wir uns als Reitschule darauf verlassen können, dass die Kinder das Gelernte beherzigen, wenn sie in den Fortgeschrittenenkursen eigenständig agieren.

  • Anerkenntnis und Vertrauen in die Autorität des Trainers

Auch, wenn man in der Schule lernt, Dinge zu hinterfragen und zu diskutieren, im Reitsport kann dies gefährlich sein. Natürlich erklären wir, warum bestimmte Dinge getan werden müssen. Wenn der Trainer aber bestimmte Anweisungen gibt, muss dem einfach Folge geleistet werden. Das ist bereits zu Beginn auch bei kleinen Dingen zu verinnerlichen. Nur so können in späteren Kursen Gefahrensituationen abgewendet werden – und dann kann es auch mal etwas lauter werden.

Geht dem Reiter das erste Mal ein Pferd im Unterricht durch, ist er aufgrund des hohen Stresspegels für den Trainer nur schwer erreichbar, er hört ihn einfach nicht. Dann muss auch mal gebrüllt werden, damit er die Anweisung “zurücklehnen, Hände runter” tatsächlich wahrnimmt und er muss automatisch reagieren – ohne zu fragen. Das Vertrauen, das der Schüler mit der Zeit in den Trainer entwickelt, hilft ihm darüber hinaus über Situationen hinweg, in denen er Angst entwickelt – der Trainer kann dann allein durch seine Anwesenheit und seine Anweisungen Sicherheit vermitteln.

Aus diesen Gründen mischen Sie sich bitte auch nicht in den Unterricht ein, wenn Sie am Rand zuschauen. Wenn Ihnen etwas nicht transparent ist, können Sie den Trainer gerne im Nachgang dazu ansprechen.

  • Konsequenz, Durchhaltevermögen und Gewusst-wie

Pferde sind unglaublich intelligente Tiere, die ihre Reiter mit einem Blick einzuschätzen vermögen, nämlich, ob er zu den Wissenden oder den Unwissenden gehört.

Pferde folgen Demjenigen, der den Eindruck vermittelt, dass er weiß, was er tut – dann genießt man ihren Respekt. Deswegen sind manche Pferde in der Hand des Pflegers ein Lämmchen und ausgesprochen frech, wenn der Schüler sie führt. Den notwendigen Eindruck vermittelt man u.a. durch Selbstbewusstsein, die Körpersprache und ein konsequentes Verhalten, jedoch nicht mit Gewalt, sondern Bestimmtheit. Das hat im weitesten Sinne etwas mit Führungsqualitäten zu tun. Nicht umsonst werden Manager-Trainings mit Pferden angeboten.

Wer dem Pferd beim In-die Box-führen erlaubt, sich an ihm vorbeizudrängeln, hat im besten Fall am Ende des Tages blaue Flecken von der Boxentür – und das Pferd wird dies immer wieder tun. Führt man das Pferd am langen Strick, statt diesen kurz zu fassen, hat es beste Möglichkeiten, sich dem Einfluss des Schülers zu entziehen und in Windeseile den Berg hinunter zu rennen, um seine Freunde auf dem Paddock zu besuchen. Macht Mensch also den notwenigen Eindruck nicht, sorgt Pferd lieber für sich selbst und seine Bedürfnisse und ignoriert den Schüler. 

Reiten ist ein Sport, der unglaublich schöne Erlebnisse vermitteln kann, jedoch Durchhaltevermögen und Geduld erfordert. Selten klappt etwas auf Anhieb und glaubt man, etwas zu können, kann es beim nächsten Mal schon wieder nicht klappen – man hat schließlich einen Trainingspartner, der die Dinge manchmal anders sieht oder auch mal einen schlechten Tag hat. Dennoch wird man feststellen, dass man, wenn man dran bleibt und sich nicht entmutigen lässt, Schritt für Schritt weiterkommt.

Und dann werden irgendwann die Träume wahr und man kann mit dem Pferd durch den raschelnden Herbstwald galoppieren oder auf dem Turnier eine Platzierung erreichen.

 

 

 

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